Einkaufstütenkrieg - European Bioplastics weist Kritik der Deutschen Umwelthilfe zurück

Am Mittwoch kritisierte die Deutsche Umwelthilfe bei Aldi und Rewe den Einsatz von Einkaufstüten aus sog. Biokunststoff. Die Tüten bestehen anteilig aus erneuerbaren Rohstoffen und sind kompostierbar. Dennoch bleibt auch bei diesen Tüten Erdöl ein Hauptbestandteil.  Zu ca. einem Drittel bestehen die Tüten aus dem nachwachsenden Rohstoff PLA, der laut DUH ausschließlich in den USA überwiegend genetisch manipuliertem Mais hergestellt wird.

Die Zusammesetzung des verwendeten Kunststoffs gab für für die Umweltorganisation ebenso Anlass zur Kritik, wie die für den Druck verwendete Farbe, deren Inhaltsstoffe Hersteller BASF nicht detailliert offenlegt. 

Hauptstreitpunkt ist allerdings die Kompostierbarkeit der Tüten. Die Umwelthilfe erklärte, zwar seien die Plastiktüten von Aldi und Rewe laut DIN-Norm EN 13432 biologisch abbaubar, die Vorgaben der Norm bezeichnete sie jedoch als realitätsfremd. Plastiktüten müssen demnach nach zwölf Wochen unter bestimmten Voraussetzungen zu 90 Prozent zersetzt sein. Deutsche Kompostierungsanlagen arbeiteten aber in der Regel mit deutlich kürzeren Verweilzeiten zwischen ein und acht Wochen, betonten die Umweltschützer. Die DUH sprach von "Verbrauchertäuschung".

Der Verband European Bioplastics, die Interessenvertretung der europäischen Biokunststoffindustrie, sieht dies als nicht zutreffendes Pauschalurteil über die Tragetaschen und die dazugehörige Produktkommunikation an. Nicht berücksichtigt werde in entscheidender Vorteil kompostierbarer Tragetaschen: die Menge von sauber getrenntem Bioabfall kann deutlich gesteigert werden. Bei den im Handel erhältlichen kompostierbaren Tüten beläuft sich der Anteil erneuerbarer Rohstoffe momentan auf mindestens 30 Prozent, in Einzelfällen auf über 50 Prozent. Dieses Mischverhältnis garantiert eine gute Funktionalität der Tüte sowie die Möglichkeit zur mehrfachen Verwendung.

Die Industrie arbeitet laut European Bioplastics daran, den erneuerbaren Anteil des Materials stetig zu erhöhen. Zudem sind eindeutige Hinweise auf eine korrekte industrielle Kompostierung gemäss der europäischen Norm EN 13432 gegeben. Die so gekennzeichneten Tragetaschen bauen sich in der überwiegenden Mehrheit, der in Deutschland vorhandenen Kompostierungsanlagen vollständig ab.

Rewe hat die umstrittenen Tüten dennoch vorerst aus dem Programm genommen. Das Unternehmen betonte, man habe sich mit den Herstellern der neuartigen Plastiktüten darauf verständigt, die Kompostierbarkeit der Tragetaschen nochmals zu überprüfen. Danach werde man entscheiden, wie das Ziel der Ressourcenschonung am besten zu erreichen sei. Außerdem erwäge Rewe, den Aufdruck der Tüten so zu verändern, dass es beim Verbraucher zu keinen Missverständnissen kommen könne.

16.04.2012